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Lob oder Tadel?

Tags: German
Manchmal ist das mit der deutschen Sprache ja nicht so einfach. Vor allem dann, wenn man beispielsweise versucht aus einer E-Mail den Gemuetszustand des Verfassers zum Zeitpunkt des Verfassens abzuleiten, um den Mailtext entsprechend interpretieren zu koennen. Kurz: Man versucht herauszulesen, ob der Absender einem wohlgesonnen war/ist oder eben nicht.

Genau das habe ich heute morgen versucht. Etwas abstrahiert, gekuerzt und natuerlich anonymisiert ging es darum, dass wir in einem Projekt an einem Problem bzw. dessen Loesung gearbeitet haben. Klar, dafuer kauft man technisch orientierte Berater ja schliesslich ein. Doch diese eben auf die Technik und Software spezialisierten Berater haben oft ein Problem. Die Dokumentation. Denn warum soll man fuer etwas, dass 5 Minuten dauert, ein 20 seitiges "wie erklaere ich es einem Projektleiter so, dass er es versteht"-Dokument schreiben? Eben. Braucht man nicht. Ist doch schnell gemacht. Gedacht, getan - und Post bekommen. Und zwar eine dieser interpretationswuerdigen Mails, wo es um Professionalitaet und Dokumentation ging. Ohne die Hintergruende naeher ausfuehren zu wollen, habe ich gerade einfach mal zwei Suchanfragen bei Google gestartet. Eine um eine Definition fuer "unprofessionell" und eine um eine Definition fuer "professionell" zu bekommen. Die jeweils ersten Treffer:

ụn·pro·fes·sio·nell
Adj. ụn· pro· fes· sio· nell
(≈ dilettantisch) so, dass es ohne Fachkenntnisse oder nicht effektiv ist. Es ist voellig unprofessionell, wie er das Projekt leitet.

Quelle

professionell
So nennt man ein Programm, das manchmal funktioniert und dann ungefaehr das tut, was es soll. Dieses Adjektiv ist steigerungsfaehig: noch professioneller, superprofessionell. Es gibt auch eine Abschwaechung: semiprofessionell; deutsche Uebersetzung: so gut wie nicht zu gebrauchen.
[Kommentar 1997: Die Ausdruecke sind etwas aus der Mode gekommen. Statt semiprofessionell sagt man heute M$.]

Quelle

Was ich sagen will ist ganz einfach. Eine Zeit lang habe ich darueber nachgedacht, was mir der Mail-Verfasser wohl sagen wollte. Ob er tatsaechlich Maengel an unserer Arbeitsweise in diesem einen Fall ankreiden wollte - nur nebenbei bemerkt, hat technisch (natuerlich) alles funktioniert - oder eben einfach nur einen schlechten Tag hatte.
Nachdem ich diese beiden "Definitionen" gelesen habe, lehne ich mich aber entspannt zurueck. Denn nach der Definition wird er uns wohl nicht vorwerfen unprofessionell gearbeitet zu haben. Denn Fachkenntnis haben wir (auch bewiesen) und effektiv war es auch (denn schliesslich hat's funktioniert). Und nicht professionell gearbeitet zu haben ist nach der Definition wohl auch nicht das Passende.
Bleibt der schlechte Tag. Und in Anbetracht des sonst so entspannten Verhaeltnisses interpretiere ich die Mail mal so. Ist ja auch viel praktischer als im Kaffeesatz zu lesen. Das naechste Zusammentreffen wird's wohl klaeren.

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